Hinterfragen

Posted by Marina On Dezember - 14 - 2010

Ich habe in den letzten Tagen festgestellt, dass es für mich einen sehr hohen Wert hat, wenn Menschen sich hinterfragen. Ganz gleich, ob es um meine Lebensweise geht, meinen Stress, meine Hunde, meine Pferde, meine Katzen, meine Partnerschaft – ich hinterfrage mich oft. Warum tust Du das? Könntest Du es besser machen? Was genau könntest Du besser machen? Was ist gut daran? Warum hast Du es bisher so und nicht anders gemacht? Wie würdest Du es machen, wenn alles perfekt laufen würde? So und so ähnlich sehen die Fragen aus, die ich mir dann stelle.

In den letzten Wochen ist mir aufgefallen, dass Menschen, die sich nicht hinterfragen, mich regelrecht nervös machen. Nun frage ich mich natürlich, woher diese Ungeduld mit solchen Menschen kommt.

Für mich scheint diese Antwort recht einleuchtend zu sein:
Mit den Pferden hat es angefangen. Ich habe begonnen, alles zu hinterfragen. Meinen Umgang mit ihnen, das Reiten, das Führen, die Größe der Weiden, die Herdenkonstellation usw. Alles was mich gestört hat, habe ich verbessert. Das ist immer noch so. Man hinterfragt die Dinge und verändert sie. Hinterfragen ist für mich der Antrieb zur ständigen Veränderung und damit Weiterentwicklung. Ohne Weiterentwicklung gibt es Stillstand. Für mich ist dieses Hinterfragen meine Selbstreflexion und die treibt mich dann dazu an, immer mehr der Mensch zu werden, der ich gerne sein möchte (und dieses Bild entwickelt sich auch immer weiter…).
Die Erde dreht sich und verändert sich. Keiner von uns kann das aufhalten. Und so halte ich Veränderung für unabdingbar.
Was ich oft beobachte, ist die Tatsache, dass Menschen, die sich nicht reflektieren und hinterfragen, sich auch deutlich weniger weiterentwickeln. Warum auch? Wenn ich mir nicht eingestehe, dass etwas nicht so ist, wie ich es wünsche, warum sollte ich es dann ändern? Wenn ich nicht über mich selbst und mein Leben nachdenke, wie soll ich dann die Punkte finden, die verändert werden sollen?
Da ich persönlich Veränderung für etwas Gutes halte, halte ich eben auch das Hinterfragen für etwas Gutes.

Und was hat das alles jetzt mit unseren Pferden zu tun?
Auch bei Pferdemenschen sehe ich oft diese Mentalität, bloß nichts zu hinterfragen. Wenn das ein Mensch für sich allein entscheidet, so ist das eine Sache. Aber als Pferdebesitzer (oder als Tierhalter im Allgemeinen) hängt da immer noch mindestens ein Tier dran. Und für dieses Tier finde ich es mehr als ungerecht, wenn ihm die Chance aurf ein besseres Leben versagt wird, nur weil der Mensch sich nicht hinterfragen möchte.
Ja, Hinterfragen kann weh tun. Es kann weh tun, sich einzugestehen, dass das Pferd schon viel zu viele Jahre in Boxenhaltung steht. Es kann weh tun, sich einzugestehen, dass der Rücken des Pferdes durch falsches Reiten kaputt ist. Es kann weh tun, sich einzugestehen, dass das eigene Pferd vielleicht unglücklich ist.
Aber mit diesem Eingestehen kommt die Chance, das Pferd besser zu halten, besser zu reiten und glücklich zu machen.

Das ist es, was man niemals vergessen sollte: Veränderung birgt die Chance, dass die Dinge besser werden. Dafür ist Ehrlichkeit notwendig und ganz sicher nicht immer einfach. Aber glückliche Pferde- (und Menschen-) augen sind diese Ehrlichkeit allemal wert!

Herzliche Grüße
Marina

Der Blick von außen

Posted by Marina On September - 6 - 2010

Oftmals ist es so, dass man, wenn man mit seinem Pferd ein Problem hat, einige Dinge übersieht. Sei es, dass man denkt, das Pferd will gerade nicht, dabei kann es meinen Wunsch nicht erfüllen, weil ich z.B. undeutlich bin oder eine Hilfe einfach unklar gebe. Es kann auch sein, dass ich innerlich hart bin, gerade mit meinem Gefühl nicht so beim Pferd und mein Pferd deswegen unwirsch reagiert und auf Gegenwehr schaltet.
Wie auch immer, manchmal steht man sich einfach selbst im Weg und hat keinen unvoreingenommenen Blick mehr auf das eigene Pferd und die eigene Kommunikation mit dem Pferd.

In solchen Situationen ist ein Blick von außen Gold wert! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das nicht immer ein Reitlehrer sein muss und nicht mal zwingend jemand, der daneben steht. Manchmal ist es auch völlig ausreichend, sich mit jemandem auszutauschen und der sagt einem dann, was ihm so in den Sinn kam bei den Erzählungen (das geht tatsächlich auch schriftlich). Manchmal bringt einen das auf eine neue Idee, der andere hatte den richtigen Impuls für mich o.ä. Und schon kann ich meine Position ein bißchen verändern, habe einen anderen Blickwinkel auf mein Pferd und auf das Problem mit ihm und oft lösen sich die Probleme dann schon alleine durch meine neue Sicht, weil ich anders auf das Pferd reagiere als vorher.

Ich wünsche Euch und Euren Pferden eine schöne Zeit!
Marina

Loslassen

Posted by Marina On September - 3 - 2010

Loslassen ist ein mittlerweile wohl oft gebrauchter Begriff. Die meisten Menschen kennen ihn aus dem Bereich Coaching oder aus der Ratgebern. Wir sollen alles mögliche loslassen und dann soll es uns besser gehen. Das lasse ich heute mal so stehen, finde ich annehmen und loslassen als Paar auch wirklich wichtig, um glücklich leben zu können.

Hier soll es aber natürlich um Loslassen in Bezug auf die Pferde gehen. Ich meine damit auch nicht handfeste Dinge wie bspw. ein krankes Pferd loslassen, damit es gehen kann.

Ich meine damit, mein Pferd während der Arbeit loslassen.
Ich will es auch erklären. Ich erlebe es oft bei mir selbst, aber auch bei anderen Menschen, dass man während der Arbeit mit dem Pferd sehr klare Vorstellungen im Kopf hat. Sei es ein bestimmtes Ziel erreichen, eine bestimmte Lektion reiten und manchmal hält man auch nur an einer bestimmten Gangart fest. Manchmal hilft diese Klarheit dem Pferd. Dann nämlich, wenn das Ziel, die Lektion, die Gangart dem Pferd dienen und in seinem Sinne sind. Wenn das Pferd merkt, dass ihm genau die Vorstellung des Menschen hilft, um sich besser zu fühlen, seine Kraft zu erfahren oder ähnliches.
Manchmal aber sieht man (besonders von außen), wie sich irgendwas verändert. Irgendwie kippt die innere Klarheit und wird zu einem festen Willen. Man bemerkt dann, dass das Pferd sich gegen dieses Wollen des Menschen sperrt. Es wird immer grimmiger, verliert seine Leichtigkeit und seinen Spaß , oft wird es auch immer langsamer und hat immer weniger Schwung. Man bemerkt, dass irgendwas nicht mehr so richtig stimmt. Ich denke, dass es oft der Fall ist, wenn der Mensch mehr sein eigenes Wollen im Kopf hat als sein Pferd. Pferde bemerken dies und verweigern sich dann immer mehr, je nach Temperament auch sehr unterschiedlich. Sie spüren sehr genau, ob es um sie geht oder um eine bestimmte Lektion.
Wenn der Mensch es in diesem Moment schafft, sein Wollen loszulassen und stattdessen wieder sein Pferd zu sehen, dann verändert sich das Pferd schlagartig. Es schnaubt ab, es bekommt wieder Schwung, kommt oft in die Dehnungshaltung und man kann dem Pferd die Entspannung ansehen. Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass Pferde auf so wenig reagieren, aber sie tun es.

Deswegen möchte ich heute dazu anregen, nicht zu sehr an bestimmten Lektionen und Übungen festzuhalten. Geht flexibel und offen zum Pferd. Schaut Eure Pferde an, was bringen Sie heute mit, was wünschen sie sich heute.

Ich handhabe es so, dass ich immer im Hinterkopf grob umrissen habe, worum es in der Arbeit mit diesem bestimmten Pferd geht. Und glücklicherweise gibt es meistens eine ganze Palette mit Übungen, Lektionen, Ideen und Spielen, die das Pferd so unterstützen können, dass es sich weiterentwickelt. Ich muss dann nicht an einer bestimmten Sache festhalten, sondern kann schauen, was heute passt und richtig ist. Und so kann ich dann, wenn ich merke, dass es komisch wird, das Pferd innerlich loslassen, mich entspannen und einen neuen Vorschlag unterbreiten. Oder ich schaue halt, was vom Pferd kommt und nehme diesen Vorschlag an.

Letztlich geht es doch um mein Pferd und darum, dass das Zusammensein schön ist. Warum also sollte man es sich erschweren, indem man zwingend an manchen Dingen festhält? Gerade diese Dinge, an denen man festhält und die man nicht loslassen kann, bekommt man dann oft einfach so nebenbei geschenkt.

Alles Gute für Euch und Eure Pferde!
Marina

Individualität

Posted by Marina On September - 2 - 2010

Gestern abend, bei einem Telefonat, wurde mir klar, wie außerordentlich wichtig ich es finde, individuell mit einem Pferd umzugehen.
Viele Lehren rund um das Pferd (seien es nun Reitlehren oder Horsemanship) möchten uns glauben lassen (und glauben es wahrscheinlich auch selbst), dass Pferde gewisse Grundbedürfnisse haben oder Wesenszüge, die dem Herdentier Pferd allgemein in die Wiege gelegt werden, die wir immer zwingend erfüllen müssen. Meiner Meinung nach wird hierbei oft zu kurz gedacht oder schlicht am Pferd vorbei geguckt. An einem Beispiel möchte ich das gerne etwas plastischer machen.

Es wird, besonders im Horsemanship, sehr viel Wert darauf gelegt, dass ein Pferd sich führen lässt. Der Mensch trifft die Entscheidungen und das Pferd folgt diesen, im Idealfall ausgeglichen und gerne. Dieser Idealfall scheint oft das zu sein, worauf hingearbeitet wird.

Nun sieht meine Arbeit mit den Pferden ja etwas anders aus, ich möchte v.a., dass die Pferde durch die Arbeit selbstbewusster werden, auch selbständiger, selbstsicherer, dass sie an Stärke und Energie gewinnen.
Gerade beim Thema “Führung” habe ich bei dieser Zielsetzung interessantes herausgefunden.
Ich erkläre Euch das am Beispiel eines Spazierganges.
Szabanac benötigt mich nicht als Führung. Er freut sich riesig, wenn er entscheiden darf. Er wird dann größer und deutlich sichtbar gewinnt er an Energie, wenn nicht ich sage, wo wir draußen langgehen, sondern er das entscheiden darf. Unser Verhältnis ist so, dass das auch ohne Probleme möglich ist. Wir hören einander gleichberechtigt zu und ich darf auch Einwände erheben und dann schauen wir halt, wo wir langgehen. Ihm tut aber die Freiheit, seine eigenen Entscheidungen treffen zu dürfen, unheimlich gut. Dieser Gedanke, dass man ein Pferd führen muss, damit es sich wohl und sicher fühlt, der geht an Szabanac vorbei. Er ist ein derart sicheres Pferd mit vielen Führungsqualitäten, ich würde uns beiden nur etwas vormachen, wenn ich diese Rolle übernehmen wollte.
Mit Waterloo hingegen verhält es sich ganz anders. Waterloo wird unsicher, wenn er Entscheidungen alleine treffen soll. Er möchte gerne wissen, was ich dazu denke, wo ich gerne langgehen würde und je klarer ich bin, desto sicherer und auch fröhlicher wird er. Er weiß, dass er Bescheid sagen kann, wenn ihm etwas nicht passt und dass ich dann auch auf ihn höre und seine Meinung respektiere. Das gibt ihm heute die Sicherheit, mir zu folgen und sich dabei wohlzufühlen. Soll er ohne Recht auf eigene Meinung folgen, ist ihm das nicht recht, dann reißt er sich auch schonmal los und geht seiner eigenen Wege. Nur bei diesem Losreißen ist er unglücklich, weil er das eigentlich gar nicht möchte… Wenn er aber weiß, dass er ernst genommen wird und er mir vertrauen kann, dann folgt er gerne und es fördert ihn. Er kann sich dann besser auf seine Umgebung einlassen, er kann sich dann in Ruhe umschauen und alles erkunden, weil er weiß, dass ich da bin und auf ihn aufpasse. Wenn er auf sich selbst aufpassen muss, dann wird er hektisch und nervös.

Für mich selbst war das am Anfang sehr schwierig, diese Rolle für Waterloo zu übernehmen. Ich hatte immer Angst, ich stülpe ihm etwas über, treffe Entscheidungen, die ihm nicht dienen oder untergrabe seine Bedürfnisse. Das haben wir gelöst, indem er mir immer Bescheid gegeben hat, wenn es in die Richtung lief und so konnte ich meinen Kurs immer korrigieren. Auch das muss man bedenken: Um ein Pferd wirklich gut zu führen (nicht nur auf einem Spaziergang sondern im ganzen Leben) benötige ich als Mensch jede Menge guter Eigenschaften, Umsicht und ich habe dann auch eine Menge Verantwortung. Man muss schon im Sinne der Pferde führen, wenn man ein Pferd hat, das Führung benötigt. Jedes Führen, das nicht im Sinne der Pferd ist, wird ein Pferd auf Dauer nicht sicherer, selbstbewusster machen, das Pferd wird nicht an Stärke und Ausstrahlung gewinnen. Richtige Arbeit (gleich ob richtiger Spaziergang oder richtige Platzarbeit) wird ein Pferd selbstbewusster machen und es wird an Stärke und Ausstrahlung gewinnen. Diese Ergebnisse sieht man meistens auch sehr schnell.

Liebe Grüße
Marina

Posted by Marina On August - 11 - 2010

Ich habe diese neue Kategorie “Buchempfehlungen” hinzugefügt, um hier gesammelt darüber zu berichten, wenn ich etwas lesenswertes oder auch nicht so lesenswertes entdeckt habe.
Ich lese recht vieles und dachte mir, dass das vielleicht ja auch von allgemeinem Interesse ist. Denn wenn man weiß, jemand hat ähnliche Ansichten wie man selbst, dann ist man ja oft froh zu lesen, was derjenige über ein bestimmtes Buch denkt. Ich werde hier also nach und nach Bücher über Pferde einstellen und kommentieren, aber auch Bücher im Allgemeinen, die mir etwas gebracht haben auf meinem Weg zu den Pferden. Denn oft arbeitet man ja mehr an sich selbst als am Pferd.

Liebe Grüße
Marina

Sam

Posted by Marina On Juli - 28 - 2010

Heute folgt ein weitere Artikel über eines der Pferde. Heute geht es um Sam.
Über Sam lässt sich gar nicht so vieles sagen, denn vieles ist uns unbekannt und auch etwas dubios.
Meine Cousine hat vor etwa 6 Jahren ein Pferd gesucht. Sie war Anfängerin und brauchte ein liebes, nettes Pferd. Auf der Suche danach stießen sie auf Sam. Er wurde vorgestellt als ein liebes Anfängerpferd. Beim Probereiten verhielt er sich auch so und so wurde er gekauft. Es musste erst noch einiges vorbereitet werden und so wollten wir ihn erst in einigen Tagen abholen. Dann wurde es von Seiten der Verkäufer (ein Schulbetrieb) aber auf einmal dringlich und sie haben Sam hergebracht.
Sam sah sehr schlank aus, was mir nicht weiter auffiel, weil Waterloo ja auch ein Edelhaflinger ist und etwas schlanker als die normalen Haffis. Sam sollte damals 7 oder 8 Jahre alt sein. Für ein Anfängerpferd etwas jung, aber es gibt ja manchmal solche Pferde, die einfach nur lieb sind. Nun ja, etwas blauäugig waren meine Cousine und meine Tante auf jeden Fall, zumal ich eh von einem Haffi abgeraten hatte, die sind nunmal oft nicht die einfachsten Pferde.
Sam stellte sich dann aber immer wieder als Problempferd raus. Reiten ließ er sich nicht wirklich, er stieg, griff beim Füttern an. Irgendwann war es dann so weit, dass meine Cousine ihn mir geschenkt hat, weil sie einfach überfordert mit ihm war.
Ich bin mit Sam dann auf einen Kurs gegangen. Dort wurde angemerkt, dass er (es war vor ungefähr 2 1/2 Jahren) höchstens aussieht wie 7 oder 8. Kurzes Zurückrechnen machte klar, dass sie ihn dann als 3jährigen in etwa gebracht haben müssten. Das erklärte vom Verhalten her einiges. Alte Fotos zeigten, dass er sich körperlich so stark verändert hatte, dass das logisch erschien. Ich könnte mich da sehr über mich selbst ärgern. Manchmal ist man wohl so nah am Pferd dran, dass man das offensichtliche nicht sieht.
Nun denn, wir hatten ja Glück im Unglück, denn abgesehen von wenigen Reitversuchen wurde Sam dann ja einfach in der Herde in Ruhe gelassen, was ich auch getan hätte, wenn ich gewusst hätte, wie jung er ist. Seine “Probleme” haben also dazu geführt, dass er das bekommen hat, was einem jungen Pferd auch zusteht. Ruhe und Zeit für die Entwicklung.
Unsere Theorie heute ist, dass das Pferd beim Probereiten und das Pferd, das zu uns gebracht wurde, zwei unterschiedliche waren. Ich muss zugeben, man hat beim ersten Treffen mit einem unbekannten Haffi dann auch noch nicht den Blick für die Einzelheiten, die ihn von anderen Haffis unterscheiden.
Wir hatten vor ca. 8 Wochen auch die Pferdezahnärztin hier, die bestätigt hat, dass er aktuell höchstens 9 Jahre alt ist.

Aber nun mal zur aktuellen Entwicklung: Sam lässt sich reiten und hat viel Spaß an Boden- und Freiarbeit. Er hat sich zu einem netten Pferd entwickelt, mit dem sicherlich nicht zu scherzen ist. Er braucht einen klaren Menschen, der sich auch klar ausdrückt. Er kann wischi-waschi nicht ab und wird dann auch mürrisch.
Ansonsten liebt er Spiele und wenn man mit ihm nach draußen geht. Er ist heute kein Problempferd mehr, sondern ein starkes Pferd mit einem eigenen Willen – also perfekt für mich und diese Art von Umgang mit einem Pferd. Je stärker das Pferd ist und sich ausdrückt, desto leichter wird es für mich. Was will ich also mehr?! ;-)

Aufgrund meiner PC-Probleme kann ich von ihm im Moment kein Foto einstellen, aber ich werde die Tage mal ein neues machen.

Liebe Grüße
Marina

Schwierigkeiten

Posted by Marina On Juli - 25 - 2010

Trotz guter Vorsätze klappt das derzeit mit dem regelmäßigen Schreiben nicht besonders gut. Mein PC ist kaputt und so komme ich nur dann und wann mal dazu, irgendwo anders ins Internet zu gehen und dann habe ich meist wenig Kopf und Ruhe, um hier noch etwas einigermaßen Kluges zu schreiben. Ich hoffe, dass sich die Situation in den nächsten Wochen etwas entspannt.

wunderschönes Video

Posted by Marina On Mai - 23 - 2010

Heute habe ich ein wunderschönes Video entdeckt.
Es geht um einen Mann, der einen Gorilla aufgezogen hat, der dann ausgewildert wurde. Nun trifft er den Gorilla nach Jahren wieder.
Hier geht’s zum Video.

Gute Sache

Posted by Marina On Mai - 21 - 2010

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Heute mal etwas Werbung für eine gute Sache.
Leider geht es den Wildtieren heutzutage immer schlechter. Deswegen ist es wichtig, dass man ihnen hilft. Ein Klick auf den Banner hilft, um sich darüber zu informieren!

Grundpfeiler der Arbeit

Posted by Marina On Mai - 12 - 2010

In den letzten Tagen habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was für mich die Grundpfeiler meiner Arbeit mit Pferden sind. Worauf stütze ich mich, was ist mir heilig und was würde ich niemals verändern?

Ich bin (jedenfalls für’s Erste) auf folgende Grundpfeiler gekommen:

1. Friedfertigkeit
2. Ehrlichkeit
3. Kommunikation
4. Freundschaft
5. Gesundheit

Vielleicht mutet das ein oder andere merkwürdig an. Deswegen werde ich die Grundpfeiler nun auch erklären. Für mich ist auch die Reihenfolge so, wie sie da steht, wichtig. Auch dazu folgt die Erklärung.

1. Friedfertigkeit
Wenn ich einem Pferd begegne, dann steht eines von Vornherein fest: Gewalt wird in dieser Begegnung nicht vorkommen. In keinster Art und Weise. Das Pferd wird nicht bestraft. Es wird nicht unter Druck gesetzt. Ein Pferd muss bei mir nichts bestimmtes machen. Das bringt mich in die glückliche Lage, dass kein falsches Verhalten herauskommen kann, welches ich bestrafen muss.
Das ist die Grundvoraussetzung, unter der ich zum Pferd gehe: Ich habe kein Recht dazu, diesem Wesen gegenüber Gewalt anzuwenden, ganz gleich ob körperlich oder psychisch. Dazu gehört auch Zwang.
Pferde sind heutzutage ständig irgendwelchen Zwängen ausgesetzt. Der Mensch entscheidet in welchem Stall das Pferd lebt, auf welcher Weide es steht, welche Pferde bei ihm stehen, wann es raus kommt, wann es rein kommt, wann und wie es geritten wird usw. Das Pferd ist ständig irgendwelchen Zwängen ausgesetzt. Wenn ich mit einem Pferd arbeite, dann soll es wenigstens in dieser Zeit keine weiteren Zwänge geben. Ich schaffe dem Pferd in der Arbeit stattdessen einen Freiraum, in dem es sein kann, wie es möchte.

2. Ehrlichkeit
Damit meine ich Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, Ehrlichkeit dem Pferd gegenüber und Ehrlichkeit des Pferdes.
Pferde sind immer ehrlich. Nur sie müssen es auch sein dürfen. Nehmen wir mal an, ein Pferd fängt immer an zu laufen, wenn der Reiter aufsitzen möchte. Dann ist das keine Unart des Pferdes, sondern Ehrlichkeit! Nun liegt es am Reiter, ehrlich zu sich selbst zu sein und sich ehrlich zu fragen, woran das liegt. Es mag am Reitstil liegen, an der Steifheit des Reiters, am Sattel, an der Trense o.ä. Das kann man aber nur herausfinden, wenn man diese Botschaft des Pferdes ernst nimmt und entsprechend darauf reagiert. Das kann man nur, wenn man dabei ehrlich zu sich selbst ist und auch eigene Fehler eingestehen kann.
Ehrlichkeit dem Pferd gegenüber bedeutet für mich, dass ich mein Verhalten dem Pferd gegenüber ehrlich reflektiere. Dass ich zugebe, wenn ich Angst habe, wenn ich überfordert bin (oder auch unterfordert) und dann mein Verhalten dem Pferd gegenüber so verändere, dass es ehrlich ist. Mein inneres Erleben, meine Gefühle, müssen mit dem übereinstimmen, was ich dem Pferd nach außen präsentiere. Ansonsten wird es mit der Zeit immer Probleme mit dem Pferd geben, denn Pferde spüren diesen Widerspruch zwischen innen und außen.

3. Kommunikation
Die anderen beiden Punkte gehören für mich ganz selbstverständlich zur Grundeinstellung, die ich benötige, noch ehe ich zum Pferd gehe. Kommunikation findet dann schon mit dem Pferd statt.
Es ist für mich unabdingbar, dass ein Pferd seine Meinung sagen darf. Dass es mir zeigen darf, wie es sich fühlt, was es von einer Idee hält usw. Heutzutage ist die Körpersprache und die feine Hilfengebung des Reiters bzw. Pferdemenschen in aller Munde. Doch das ist nur eine Seite. Natürlich ist es wichtig, dass ich als Mensch lerne, mich dem Pferd verständlich zu machen. Aber es ist ebenso wichtig, dass ich die Antworten des Pferdes verstehe und annehme. Dass mein Pferd auch das Recht bekommt, mir zu zeigen, was es möchte, was es gut findet und was es nicht möchte.
Das geht schon los, wenn ich auf die Weide gehe, um mein Pferd zu holen. Als erstes halte ich höflich das Halfter hin und frage damit mein Pferd, ob es Lust hat, mit mir mitzukommen. Geht das Pferd weg, dreht den Kopf weg o.ä., dann ist das eine deutliche Antwort! Ich kann vielleicht nochmal nachfragen, aber wenn das Pferd dabei bleibt, dann denke ich mir entweder etwas anderes aus (und kraule vielleicht das Pferd nur) oder ich gehe eben einfach wieder.
Das zeichnet für mich Kommunikation aus: Dass es zwei Wege gibt und ich auch das, was vom Pferd kommt, akzeptiere. Ohne wenn und aber.

4. Freundschaft
Ein ausgeleiertes Wort, wenn es um die Beziehung zwischen Tieren und Menschen geht. Denn schließlich will ja jeder der beste Freund seines Pferdes werden, aber wir haben ja alle gelernt, dass das nicht geht… oder?!
Ich erlebe es schon, dass man zum Freund des Pferdes werden kann. Freundschaft zwischen Pferden und Menschen ist möglich, aber sie ist auch an bestimmte Bedingungen geknüpft. Ich muss mein Pferd auch entsprechend behandeln. Ich bin höflich zu meinen Freunden. Ich zwinge sie nicht zu Dingen, die sie nicht möchten. Freunde sind nicht dafür da, um mir Schleifen oder Pokale nach Hause zu bringen. Auch akzeptiere ich Freunde so, wie sie eben sind, mit Schwächen und Fehlern und allen Unvollkommenheiten. Freunde dürfen mir auch mal sagen, dass ich mich gerade blöd benehme. Und ich darf sowas auch mal zu meinen Freunden sagen. Freunde unterstützen sich gegenseitig und lernen voneinander. Sie helfen sich. Sie begleiten sich.

Wenn ich so mit meinem Pferd umgehe, dann kann ich davon ausgehen, dass sich auch zwischen Pferd und Mensch eine Freundschaft entwickeln wird. Nur habe ich dann kein abrufbares Pferd zuhause. Ich kann nicht einfach reiten, wann es mir gerade passt. Ich kann nicht erwarten, dass ich jeden Mittwoch um 18 Uhr zur Reitstunde kann. Ich kann mein Pferd nicht kürzer anbinden, weil es gerade nicht stillstehen möchte.

Nein, Freundschaft bedeutet, sich miteinander zu beschäftigen, auseinanderzusetzen und gemeinsame Wege zu finden.

So manch ein Mensch hat mich schon gefragt, ob das nicht etwas viel verlangt ist, denn schließlich hat man ein Pferd ja zum Reiten.

Hat man das? Ich nicht. Ich habe meine Pferde, weil ich Pferde liebe. Weil ich ihr Aussehen liebe, ihre Kraft, ihre Bewegung. Und im speziellen, weil ich den Charakter meiner Pferde liebe. Szabanacs Stärke, Waterloos Unnachgiebigkeit, Sams Fröhlichkeit. Und vieles andere mehr. Ich habe diese Pferde, weil ich ihre Gesellschaft schätze. Weil sie mich prägen, mich weiterbringen. Weil Pferde einfach zu den wunderbarsten Schätzen in meinem Leben gehören. Und all das finde ich viel mehr wert als eine Reitstunde, einen Ausritt oder ähnliches.

Und abgesehen davon mögen es viele Pferde geritten zu werden. Auch wenn sich das, komischerweise, sehr viele Reiter nicht vorstellen können.

5. Gesundheit
Ein wichtiger Faktor. Wenn ich nach den oben beschriebenen Grundsätzen mit meinem Pferd umgehe, dann kann ich es nicht einfach irgendwie reiten, irgendwie beschäftigen. Wenn ich mich dann mit dem Pferd beschäftige, dann muss das Pferd auch etwas davon haben. Und das sollte vor allem ein gutes Leben sein und Gesundheit!

Leider machen viele Dinge heutzutage ein Pferd krank. Ganz vorne mit dabei macht auch das Reiten Pferde krank!
Deswegen gehört es für mich zu den absoulten Grundpfeilern, dass alles, was ich mit dem Pferd mache, dem Pferd dienen soll. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich ein Pferd nicht einfach als Bewegung an der Longe rennen lasse, sondern dass ich mich damit beschäftige, wie ein Pferd gut und gesund läuft und meinem Pferd das zeige und nahe bringe. Ich zeige dem Pferd, wie es einen Reiter auf gesunde Art und Weise tragen kann. Wie es sich so bewegt, dass es lange gesund bleibt, dass die Muskeln geschmeidig bleiben etc.

Ich zeige dem Pferd auch, wie es seinen Körper so einsetzen kann, dass es sich großartig fühlt und andersrum: Ich helfe dem Pferd dabei, sich großartig zu fühlen, damit es sich entsprechend bewegen kann!

Zur Gesundheit gehört auch, dass das Pferd entsprechend leben darf. Mit Gesellschaft, in einem Offenstall, mit genug Bewegung und genug Anreizen.

Auch die Ausrüstung und die Nahrung muss so gewählt sein, dass sie das Pferd gesund erhält.

Wenn jemand weitere Anregungen hat, dann darf er gerne die Kommentarfunktion benutzen!